27. 5. 2021

Biozidfreie Fassadenbeschichtungen

Verfärbungen auf Fassadenoberflächen durch Mikroorganismen werden oft als optischer Mangel gewertet. Die Funktion der Fassade wird dadurch allerdings nicht beeinträchtigt. Juristisch gesehen ist der Algen- und/oder Pilzbefall auch kein Mangel.

Um den Bewuchs durch Mikroorganismen in Fassadenbeschichtungen zu verhindern, werden giftige und zum Teil langlebige Stoffe, Biozide, eingesetzt. Damit diese wirken können, müssen sie in einem bestimmten Ausmaß wasserlöslich sein. Folglich werden sie über die Zeit ausgewaschen und verlieren ihre Wirkung auf der Fassadenoberfläche, wodurch es früher (unverkapselte Biozide) oder später (verkapselte Biozide) trotzdem zum Wachstum unerwünschter Mikroorganismen (Grünalgen, Schwarzschimmel, andere Pilze, Moose oder Flechten) kommen kann. Vor allem dort, wo sich Kondenswasser an einer Fassade bildet, siedeln sie sich gerne an.


Neben dem Verlust der Wirksamkeit auf der Oberfläche der Fassade entstehen durch den Einsatz von Bioziden eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen: die ausgewaschenen Wirkstoffe und/oder deren Abbauprodukte entfalten ihre schädliche Wirkung unkontrolliert an anderer Stelle unserer Umwelt, sei es im Boden oder in aquatischen Medien, wie beispielsweise dem Regenwasser, mit dem wir vielleicht unser Gemüse gießen [1}.

 

Es gibt Regionen mit klimatischen Rahmenbedingungen, welche den Algenbewuchs begünstigen. Das ÖkoBauKriterium 2. 6. 4. Verbot für Biozideinsatz in Fassadenputzen und -anstrichen [2] sieht daher zwei Anwendungsklassen vor: In der Öko-Klasse A ist der Einsatz von Bioziden nicht zugelassen, in der Öko-Klasse B ist der Einsatz von Bioziden in Ausnahmefällen zugelassen. Es dürfen dann nur verkapselte Biozide eingesetzt werden.

 

Würde den umweltschädigenden Folgewirkungen durch den Biozideinsatz mehr Bedeutung zugemessen als dem potenziellen optischen Mangel, könnte auch in Regionen mit ungünstigen klimatischen Bedingungen auf den Einsatz biozider Wirkstoffe verzichtet werden - durch vorbeugende Planung, durch den Einsatz Biozid freier Silikat- oder Kalkbeschichtungen und durch regelmäßige Wartung und Reinigung. Die Stadt Wien mit ihrem Programm ÖkoKauf Wien hinterfragt den Einsatz giftiger Stoffe und schließt den Biozideinsatz bei Fassadenbeschichtungen daher generell aus [3].

 

In baubook deklarierte biozidfreie Fassadenbeschichtungen sind hier [4] zu finden.

 

Quellen:

[1] ibomagazin-online, wer-braucht-biozide-in-fassadenbeschichtungen

 

[2] ÖkoBauKriterium 2. 6. 4. Verbot für Biozideinsatz in Fassadenputzen und -anstrichen

 

[3] ÖkoKauf Wien Kriterienkatalog 07004 Fassadenfarben

 

[4] Biozidfreie Fassadenbeschichtungen auf baubook

 

 

 

Zum Weiterlesen:

Gesunde Wirkung von eingesetzten Wirkstoffen

Auf der Suche nach dem Verbleib von bioziden Wirkstoffen:

http://dx.doi.org/10.1002/bapi.201800006
https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/REP0247.pdf

 

 

Autor: BSc Andreas Krenauer

IBO - Österreichisches Institut
für Baubiologie und -ökologie, Wien

E-Mail: andreas.krenauer@baubook.at

 

 

 

Bildnachweis: @Netzer Johannes - stock.adobe.com

 

 

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